Simon Widmer

Kameramann und Fotograf

Für mich beginnt Dokumentarfilm dort, wo durch die Herausforderung der Kamera ein Abenteuer anfängt, ein beobachteter, durchdachter und doch nicht kalkulierbarer, erlebter Prozess – ich offenen Menschen begegne, die soweit offen sind, wie ich selbst mich einbringe, die die Konfrontation mit sich selbst nicht scheuen, sich zeigen – direkt, aufrichtig, lebendig widersprüchlich. Meine Skrupel und Zweifel sie zu benutzen schwinden, wenn sie bei sich sind, wenn sie sich selbst darstellen, ich ihnen nahe komme, ihre innere und äussere Realität in Beziehung setzte, den Blick unter die Oberfläche versuche – dann kann sich ein Dialog entwickeln. Genaue Beobachtung, Zeit, Spontaneität, Disziplin, soziale und künstlerische Phantasie sind Bausteine – Aufrichtigkeit die Voraussetzung. Und unsere eigene Rolle, die spürbare Anwesenheit des Autors im Dokumentarfilm? Es kann keine Regeln geben für Autorenschaft! Alle Gestaltungsmöglichkeiten sind offen. Entscheidend ist die Haltung, das, was hinter Inhalten und Ausdrucksformen unserer Filme hervor scheint als realitätsverpflichteter, vorbehaltsloser, liebevoller Blick auf Menschen. Samuel Beckett sagt über die Liebe, was ich umstandslos auf den Dokumentarfilm beziehe: „Die Liebe ist kein heisses Bad, in das man hinein steigt – man braucht Kraft und Mut dazu.“

Helga Reidemeister, Regisseurin Berlin


Das Haupthindernis für Amateurfilmer ist ihr eigenes Gefühl der Unterlegenheit angesichts professioneller Produktionen. Schon die Klassifikation Amateur hat einen armseligen Klang. Und dabei meint das Wort Liebhaber, Lateinisch „Amator“. Eigentlich jemand, der etwas aus Liebe zur Sache tut, anstatt aus ökonomischen Gründen oder Notwendigkeiten. Die Bedeutung, die sich der Amateurfilmer als Anhaltspunkt nehmen sollte. Anstatt neidisch zu sein auf die Drehbuch- und Dialogschreiber die ausgebildeten Darsteller, die grossen Teams und hohen Produktionsbudgets der professionellen Filme, sollte der Filmamateur von seinem eigenen grossen Vorteil Gebrauch machen, um den ihn alle beneiden, nämlich seine Freiheit. Sowohl im künstlerischen als auch im physischem Sinn. Künstlerische Freiheit bedeutet, dass der Amateurfilmer weder gezwungen wird visuelle Dramatik und Schönheit einem Schwall von Worten, Worten und nochmals Worten für die erbarmungslosen Aktivitäten und zur Erläuterung eines Plots oder zur Hervorhebung eines Stars oder des Produktes eines Sponsoren. Noch wird von der Produktion eines Amateurs erwartet, dass sie hohe Investitionen mit Gewinn einspielt, indem sie die Aufmerksamkeit eines breiten und kunterbunten Publikums für 90 min. zu fesseln versucht. Genau wie der Amateur kann der Amateurfilmer sich dem Einfangen der Poesie und Schönheit von Orten und Ereignissen widmen und da er eine Kamera für bewegte Bilder verwendet, die weite Welt der Schönheit und der Bewegung erforschen. Einer der Filme, der der beim Creativ-Film-Award 1958 durch ehrenhafte Erwähnung ausgezeichnet wurde, war „Round and Square“, ein poetische rhythmische Arbeit über die tanzenden Lichter der Autos, die den Highway hinunter strömen unter Brücken hindurch usw. Verwenden Sie anstatt eine bewegte Handlung zu erfinden die Bewegung von Wind, Wasser, Kinder, Menschen, Fahrstühlen, Wellen usw. wie ein Gedicht sie feiern würde und gebrauchen Sie ihre Freiheit, um mit visuellen Ideen zu experimentieren. Kameras machen keine Filme, Filmemacher machen Filme. Der wichtigste Teil ihrer Ausrüstung sind Sie selber, ihren beweglichen Körper, ihr schöpferisches Bewusstsein und ihre Freiheit beides zu verwenden. Machen Sie Gebrauch davon. Amateur versus Profi von Maya Deren